Fußball: Von Klaus Fichtel und anderen Rekordhaltern

15 Fußball-Profis, ein Trainer, aber kein Meister-Spieler

Christian Schreier, der beim SuS Merklinde das Fußball spielen begonnen hatte.

Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel / 24. August 2013
Autor: Carsten Loos

CASTROP-RAUXEL. 15 Fußball-Profis, ein Trainer, aber kein Meister-Spieler - das ist die Bilanz aus Castrop-Rauxeler Sicht nach 50 Jahren Fußball-Bundesliga.

Als Ziehvater des Profi-Nachwuchses aus Castrop-Rauxel darf sich Klaus Fichtel (ehemals Arminia Ickern) ohne weiteres nennen: An der Seite des später mit fast 44 Jahren ältesten Bundesliga-Spielers überhaupt debütierten beim FC Schalke 04 Hartmut Huhse (1971/ehemals Arminia Ickern), Mathias Schipper (1976/ehemals Spvg Schwerin) und Wolfram Wuttke (1979/ehemals SG Castrop). 1980 bestritt Thomas Siewert (ehemals Arminia Ickern) sein erstes Bundesliga-Spiel gemeinsam mit Wolfram Wuttke; am Saisonende stiegen beide jedoch mit dem FC Schalke 04 in die 2. Liga ab. Zu der Zeit spielte Klaus Fichtel bereits bei Werder Bremen.

Binnen vier Tagen feierten Klaus Fichtel und Hartmut Huhse zum Ende der Saison 1971/72 zwei Erfolge: Zunächst beendeten sie die Bundesliga-Spielzeit mit dem FC Schalke 04 auf dem zweiten Tabellenplatz hinter Bayern München, dann gewannen die Castrop-Rauxeler in Hannover mit einem 5:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern das Endspiel des DFB-Pokal.

Einen Treffer nur erzielte Thomas Siewert in seiner Bundesliga-Zeit. Doch seine eher unfreiwillige Bogenlampe zum 2:2-Endstand für den FC Schalke04 im Revierderby bei Borussia Dortmund, mit Nationaltorwart Eike Immel im Tor, wurde im Februar 1981 zum Tor des Monats gewählt. Über den Treffer in seinem achten Bundesligaspiel soll Siewert gesagt haben: „Dass der Ball im Tor war, habe ich erst gemerkt, als mich die Mannschaftskameraden zu Boden drückten.“ Das zweite Tor des Monats eines Profis aus Castrop-Rauxel erzielte Klaus Fichtel ebenfalls für den FC Schalke 04, im Februar 1974 mit einem Distanzschuss zum 2:0-Endstand gegen Borussia Mönchengladbach.

Zeitgleich in der Bundesliga, aber nicht gemeinsam in einer Mannschaft spielten die Brüder Christian und Toni Schreier (beide ehemals SuS Merklinde). Christian Schreier war nach drei Jahren beim VfL Bochum gerade zu Bayer Leverkusen gewechselt, als sein drei Jahre jüngerer Bruder 1984 für seine letztlich beiden einzigen Bundesliga-Jahre in Bochum anheuerte. Für Christian Schreier wurde die Zeit in Leverkusen gekrönt mit dem Gewinn des UEFA-Cup 1988 - und dem Spitznamen „Mr. Europacup“.

Drei Bundesliga-Profis aus Castrop-Rauxel wurden Nationalspieler: Klaus Fichtel (23 Spiele) wurde Dritter bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko; Wolfram Wuttke (4) und Christian Schreier (1) holten 1988 mit der Olympia-Auswahl in Seoul Bronze.

Beim 2:1-Sieg gegen den VfL Bochum standen am 5. Oktober 2007 Marc-Andre Kruska und Christopher Nöthe in der Anfangsformation von Borussia Dortmund. Sowohl Kruska als auch Nöthe stammen aus der Jugendabteilung des VfR Rauxel.

Gerade 17 Jahre und 137 Tage war Marc-Andre Kruska (ehemals VfR Rauxel), als ihn Bert van Marwijk, Trainer von Borussia Dortmund, am 13. November 2004 beim 0:1 beim 1. FC Kaiserslautern zu seinem ersten Spiel in der Bundesliga einwechselte. Seinerzeit war Kruska der fünftjüngste Bundesliga-Spieler überhaupt. Am letzten Spieltag seiner Debüt-Saison schwang sich der Europastädter mit seinem Tor zum 1:1-Zwischenstand gegen Hansa Rostock (Endstand: 2:1) zudem noch zum fünftjüngsten Torschützen in der Bundesliga-Geschichte auf. In der Winterpause der Saison 2008/09 wechselte Kruska dann zum FC Brügge nach Belgien - und verließ die Bundesliga nach 98 Spielen mit nur 21 Jahren.

In seinem zweiten Bundesliga-Spiel erzielte Wolfram Wuttke bereits sein erstes Tor. Am 20. Oktober 1979 war das. Wuttke, der zwei Wochen zuvor erstmals in der Bundesliga aufgelaufen war, traf beim 4:1-Sieg des FC Schalke 04 zum 2:0-Zwischenstand (51.) bei Bayer Uerdingen. Am Ende seiner Karriere standen 66 Tore für Wuttke zu Buche.

Während 22 Bundesliga-Jahren war der von Arminia Ickern stammende Klaus Fichtel bei den Fußballfans stets beliebt. RN-Foto Archiv

Rekordhalter, wenn auch eher unfreiwillig, ist Klaus Fichtel auch in dieser Kategorie: Der Abwehrspieler des FC Schalke 04 traf gleich in seinem ersten Bundesliga-Spiel - allerdings ins eigene Netz. Fichtels Eigentor in der 21. Minute bescherte den „Königsblauen“ eine 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart. Dennoch wurde Fichtel ein gutes Bundesliga-Debüt bescheinigt. Er habe damals die Abwehr stabilisiert, hieß es seinerzeit, in einer stark verjüngten Schalker Mannschaft.

Nur einen Trainer mit Wurzeln in Castrop-Rauxel hat es in 50 Jahren Bundesliga gegeben: Dieter Hecking, derzeit Übungsleiter des VfL Wolfsburg. Er erblickte zwar in der Europastadt das Licht der Welt, zog aber schon im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern weg nach Soest.

Zu guter Letzt: Hand an die silberne Meisterschale durfte übrigens keiner der 15 Bundesliga-Profis aus Castrop-Rauxel legen. Das ist bislang nur Alfred Niepieklo (ehemals SV Castrop 02) vergönnt gewesen. Der Stürmer wurde 1956 und 1957, also noch zu Oberliga-Zeiten, Deutscher Meister mit Borussia Dortmund. Als 1963 die Bundesliga laufen lernte, hatte er seine aktive Laufbahn bereits beendet.

Profis aus CAS (Stand 2013)

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