Ickerner Volkslauf

Treffen der Generationen: Max Auffenberg (re.), der Ehrenvorsitzende des TuS Ickern präsentierte dem aktuellen Volkslauf-Organisator Dominik Schumann zuletzt alte Unterlagen, Medaillen und Siegerteller. RN-Foto Lukas

Erinnerungen aufpoliert

Quelle: Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel, Februar 2016 / Autor Jens Lukas

Volkslauf feierte im Jahr 1974 Premiere als „Volks-Leichtathletik- und Wandertag“

CASTROP-RAUXEL. Neue Wege ist der TuS Ickern im Jahr 1974 gegangen und hob den Ickerner Volkslauf aus der Taufe. Männer der ersten Stunde waren der damalige Wanderwart Siegfried Geier (heute 90 Jahre alt) und der heutige Ehrenvorsitzende Max Auffenberg (83). Geier hatte die Idee gehabt. Auffenberg suchte auf Nachfrage dieser Zeitung im Vereins-Archiv, um den Volkslauf-Ursprung herauszufinden.

Die fast detektivische Suche ergab, dass am 22. September 1974 der erste Volkslauf über die Bühne ging. Damals trug er noch den Namen „Volkslauf-Leichtathletik- und Wandertag“. Von 1975 bis 1978 hieß er laut Max Auffenberg „Volkslauf- und Wandertag“.

Medaille mit Denkmal

Der langjährige TuS-Vereins-Chef hatte in den vergangenen Tagen nicht nur seine Erinnerungen an die Anfänge aufpoliert, sondern auch die ersten Trophäen, die den Teilnehmern überreicht wurden. Wie etwa die Medaille, die auf der Vorderseite Castrop-Rauxeler Denkmäler zeigte. Bei der Premiere war es das 1944 zerstörten Haus Ickern. Auf der Rückseite prangte das im Stadtwappen verankerte Andreaskreuz und das TuS-Vereinsemblem. Auffenberg betonte: „Dadurch wollten wir Ickerner in den Jahren der drohenden Eingemeindung nach Dortmund unsere Verbundenheit mit Castrop-Rauxel unterstreichen.“

Ab 1979 bekam jeder Teilnehmer zu seiner Urkunde einen kleinen Porzellanteller, mit Motiven der Rathäuser in Castrop-Rauxel und den damaligen Partnerstädten. Seitdem heißt die Veranstaltung auch „Ickerner Volkslauf“.

Die Wanderer und die Leichtathleten des TuS Ickern hatten in all den Jahren oftmals Streckenvarianten geprüft, bis nach vielen Anläufen die Streckenführung über 10 und 25 Kilometer feststand. Da die Strecken (durch die Mengeder Heide, den Leveringhauser Busch oder am Herdicksbach) nicht mit dem Auto abgefahren werden konnten, um die genauen Kilometer festzulegen, wurden sie mit einem so genannten Posträdchen an einem Stab abgelaufen. Max Auffenberg sagte: „Man kann sich vorstellen, wie mühsam dieses auf Wald- und Feldwegen war.“

Soldaten marschieren mit

Der TuS rührte vor allem in den ersten Jahr laut die Werbetrommel mit Plakaten und Handzetteln. So gelang es beispielsweise auch einen Zug englischer Soldaten, die in der Dortmunder Kaserne am Westfalendamm stationiert waren, nach Ickern zu holen. Sie konnten hier für einen Marschwettbewerb in England trainieren. Auffenberg berichtete: „Es war beeindruckend zu sehen und zu hören, wie diese Männer nach 10 Kilometer stramm auf dem Sportplatz an der Uferstraße zumarschierten. Sie nahmen an drei Volksläufen teil.“

Randgeschichten

Die Zeitungsseite zu der Reportage sah im Februar 2016 so aus.

Ein Schnellschreiber ergänzte in den ersten Jahren des Ickerner Volkslaufes auf den Teilnehmer-Urkunden die Namen, Platzierungen und Zeiten. Die Aufgabe hatte Hermann Böger, berichtete jetzt Max Auffenberg, der Ehrenvorsitzende des TuS Ickern: „Dadurch kam es bei den Siegerehrungen nie zu Wartezeiten.“

Ab 1975 hatte der damalige Oberbürgermeister Hugo Paulikat den Wanderpreis für die Hauptklasse gestiftet. Er hat auch über viele Jahre den Startschuss gegeben.

Unter den Teppich fiel quasi die sechste Auflage des Ickerner Volkslaufes. Denn auf den Anhänger zu den Porzellanteller-Trophäen 1979 deutete der Text fälschlicherweise bereits auf das siebte Mal hin. Max Auffenberg sagt rückblickend: „Das mussten wir auf unsere Kappe nehmen.“

Franz Weyland und Werner Kupka, zwei Tennisspieler des TuS Ickern, hatten in einem Jahr ihren 10-Kilometer-Start spontan auf die doppelt so lange Strecke von 20 Kilometer erweitert – weil sie sich dafür gut und fit fühlten. Tags darauf war Weyland in Berlin unterwegs, konnte aber ob der Nachwirkungen des Volkslaufes auf dem Ku-Damm nicht mehr vor und zurück. Im Folgejahr lief er wieder die kürzere Strecke.

Mogeleien durch Streckenverkürzungen wurden anfangs laut Max Auffenberg versucht, insbesondere durch einheimische kleine Gruppen oder Einzelläufer. Sie fielen aber durch ihre guten Laufzeiten auf. Im zweiten Jahr wurde das Verkürzen durch zusätzliche Streckenposten unterbunden. Auch bemerkten trainierte Läufer durchaus, wenn Hobbyläufer vor ihnen auftauchten.  lukas