28. Dezember 1998: Kleine Kicker, ganz groß

Charly Plücker. Foto Jens Lukas

Von Jens Lukas, Castrop-Rauxel​

Heute vor 20 Jahren gab es die zehnte Auflage des Castrop-Rauxeler Hallenturniers für Minikicker. Der Artikel dazu war mit den Worten überschrieben „Wenn der Ball ruft und das Leibchen zum Kleidchen wird“. Denn die meisten Trikots waren schlicht zu groß für die Kinder. 14 Mannschaften hatten am 2. Weihnachtstag 1998 die Sporthalle an der B235 bevölkert.

Auf einem Foto war bei der Siegerehrung der damals zweijährige Schweriner Pascal Kluge (jetzt Arminia Ickern) zu sehen. Sein Vater Markus Kluge, der später Trainer bei der Spvg war, berichtete am Mittwoch: „Pascal hat damals nicht gespielt. Er war unser Maskottchen.“

Einige Ideen von der Premiere im Jahr 1989 hatten auch noch nach zehn Jahren Bestand: Es wurde kein Turniersieger ermittelt. Alle Bambinis wurden mit kleinen Bällen, Medaillen, Urkunden und T-Shirts ausgezeichnet. Am Ende jeder Partie wurden die abschließenden zehn Sekunden lautstark als Countdown heruntergezählt. Damit viele Tore erzielt werden konnten, wurden die großen anstatt der Handball-Tore aufgestellt.

400 Fans der Minikicker – Eltern, Onkel und Tanten sowie Großeltern und Geschwister füllten die Hallentribüne. Charly Plücker, der all die Jahre am Mikrofon das Weihnachtsturnier moderierte, sagte am Donnerstag mit Stolz: „Ich hatte vor der Premiere den Vorschlag gemacht, dass am 2. Weihnachtstag gespielt werden soll. Da haben die Verwandten Zeit, und die Eltern sind froh, dass ihre Kinder am Feiertag gut beschäftigt sind.“

Bild-Zeitung berichtete​

Hohe Wellen hatte das erste Turnier im Jahr 1989 geschlagen. Damals war es deutschlandweit das erste Turnier für Altersklasse der Minis (für U6). Weshalb sogar die Bild-Zeitung über die Spiele in der Sporthalle der Willy-Brandt-Gesamtschule berichtete – sogar oberhalb eines Artikels über Franz Beckenbauer. Zu sehen war im Bild dabei Andre Zientek (heute Wiesner), der im Tor der Spvg Schwerin stand – und weinte. Er hatte soeben im Spiel gegen Arminia Ickern ein Tor nach einem Kullerball kassiert. Neben dem Keeper saß neben dem Pfosten ein großer Teddybär als Team-Maskottchen.

Als 2-Jähriger war Pascal Kluge (Foto oben rechts, vorn) 1998 beim Minikicker-Turnier als Maskottchen der Spvg Schwerin dabei. Charly Plücker (mit Pokal im mittleren Bild) war in all den Jahren der Moderator und Mitorganisator der Veranstaltung. Das Turnier im Jahr 1989 auf den Weg gebracht hatten mit ihm von den Vereinen (Bild oben links) Marika Karowski, Jörg Dröge (Arminia Ickern), Bürgermeister Hans Ettrich, Elke Schoenacker (Schwerin) und Frohlindes Peter Wesolek auf die Beine gestellt. Fotos Bischof, Goldhahn / Montage Klose

Auch Kruska kickte mit

​Andre Wiesner erinnerte sich am Donnerstag an seinen Auftritt auf der großen Bühne. Er sagte: „Da mein Opa Vereinskassierer war und meine Mama bei den Frauen gespielt hat, war vorprogrammiert, dass ich für Schwerin Fußball spielen würde. Das Trikot von damals habe ich wahrscheinlich noch. Warum ich ausgerechnet Torwart geworden bin, weiß ich nicht mehr.“ Einige Namen seiner Mitspieler fielen Wiesner aber sofort ein: Dennis Schoenacker, Sohn der Mitorganisatorin Elke Schoenacker, sowie Daniel Wiencek und Tobias Gottwald.

Andre Zientek (Wiesner) wechselte zur F-Jugend zum FC Frohlinde und stand danach bei Borussia Dortmund sowie Eintracht Dortmund im Tor. Als B-Junior kehrte er zur Spvg Schwerin zurück, wurde zum Feldspieler und kickte vor seinem Umzug nach Norddeutschland auch beim SV Yeni Genclik. Aktuell spielt Wiesner für den STV Wilhelmshaven in der Kreisliga und war dort zu Beginn der Saison sogar Spielertrainer.

Auch der spätere Profi Marc Kruska (vormals Borussia Dortmund, jetzt F91 Düdelingen/Luxemburg) spielte beim Weihnachts-Miniturnier mit. Seine Mutter Sylvia Kruska weiß noch, dass ihr Sohn 1990 als 3-Jähriger dabei war. Das war das Jahr, in dem sein damaliger Verein, der SC Arminia Ickern, die Gastgeberrolle spielte.

Mit dem Fall der Mauer​

Die Spvg Schwerin, Arminia Ickern und der FC Frohlinde – die Vereine, die die Initialzündung 1989 gesetzt hatten, wechselten sich als Gastgeber ab. Charly Plücker sagte: „Als Privatperson konnte ich aus versicherungstechnischen Gründen kein Turnier auf die Beine stellen. Dafür war stets ein Verein nötig.“ Damals war nicht nur die Erstauflage des Turniers historisch: Als der Reporter dieser Zeitung sich am 9. November mit dem Organisationsteam traf, lief der Fernseher – und zeigte die Bilder vom Fall der Berliner Mauer.

Aufblasbare Kühe

Viele Sponsoren hatten dafür gesorgt, dass es ein schöner Tag für die kleinen Kicker wurde. Auf dem Plakat zum ersten Turnier hatten sich sechs Spender verewigt. Beinahe legendär waren die aufblasbaren Kühe, die die damals in Bochum ansässige Firma Westmilch unter anderem zur Verfügung gestellt hatte. Und auch die Minifußbälle, die von der Dortmunder Firma Rolf Teamsport gesponsert wurden, waren heiß begehrt. Andre Wiesner erklärte: „In der Zeit, in der meine Mutter Schweriner Jugendleiterin war, hatten wir davon unzählige zuhause liegen.“