Das Making of "Sascha Lindner wird Deutscher Meister mit dem BVB"

Mit Beckenbauer am Spielfeldrand

Jens Lukas, Sportredakteur: Das ist der Bericht über den Deutschen Meister Sascha Lindner aus der Zeitung aus dem Jahr 1998. Jens Lukas erinnert sich gut an den Tag. Abgedruckt wurde das "Making of" in der Beilage "70 Jahre Ruhr Nachrichten" im April 2019.

Castrop-Rauxel. 20 Jahre mache ich Lokaljournalismus in Castrop-Rauxel, vor allem im Sport. Meine Lieblingsgeschichte? Da fällt mir einer meiner ersten Einsätze als Neuling ein: 6.000 Zuschauern im Schatten des Westfalenstadions. Dortmund, Stadion Rote Erde.

​Nein, ich bin kein BVB-Fan – und war es auch nicht, als mich im Sommer 1998 der Castrop-Rauxeler Sportredakteur Carsten Loos zum Endspiel um die deutsche A-Junioren-Meisterschaft schickte. Dortmund gegen Bayern im Stadion Rote Erde. Für unsere Lokalredaktion war das Spiel von Interesse, weil ein heimisches Talent für den BVB spielte: Sascha Lindner.
Er war (wie ich) fußballerisch bei der SG Castrop groß geworden. Daher kannte ich ihn und seine Eltern Inge und Jürgen gut; zumal sie bei uns um die Ecke wohnten.

Treffen mit Beckenbauer in der Tiefgarage

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: Der Sonntag, 5. Juli 1998, war ein hochsommerlicher Tag. Ich hatte fast freie Fahrt über die A40 bis zum Stadion. Dort wurde ich von einem Ordner umgeleitet – in die Tiefgarage des Westfalenstadions. Dort waren viele Parkplätze frei. Ich suchte den Weg hinaus in das benachbarte Stadion Rote Erde und fand eine schwere Stahltür, spärlich beleuchtet. „Wie kommt man hier raus?“, hörte ich eine Stimme in 50 Metern Entfernung sagen. „Mir nach!“, rief ich selbstbewusst. Und bemerkte erst dann, dass ich einem Bayern helfen konnte: Stephan Beckenbauer, Sohn von Kaiser Franz. Er stand am Anfang seiner Trainer-Karriere und erklärte mir, dass er Münchens Coach Björn Andersson auf der Bank unterstützen wolle. Deshalb blieb Stephan Beckenbauer auch (wie ich) die nächsten drei Stunden im Innenraum des Stadions. Wir konnten vorher nicht ahnen, dass das Finale bis in ein Elfmeterschießen gehen würde...

Kamera war immer dabei

​Obwohl ein Mitarbeiter der Ruhr Nachrichten aus Dortmund vor Ort war, hatte ich mir neben meinem Block auch eine Kamera in meinen Rucksack gepackt. Das sollte sich später lohnen. Denn jene zwei Bilder, die später den Weg in die Zeitung fanden, stammten – nach einer Stunde in der Dunkelkammer der Redaktion – aus meinem Apparat. Bei meinem ersten Einsatz am Spielfeldrand hatte ich 6.000 Zuschauer. So viele Fans bevölkerten die Tribüne und das weite Runde. Die erste Halbzeit war arm an Höhepunkten. Und Sascha Lindner musste kaum in harte Zweikämpfe gehen. Weshalb ich für die zweite Halbzeit die Perspektive wechselte. Ich gesellte mich zu den Fans auf die Tribüne. Prompt glückte mir ein tolles Foto: Lindner im erfolgreichen Kopfballduell mit dem Briten Owen Hargeaves, der es später zu den Profis und zu Champions-League-Einsätzen schaffte.

Auswechslung beim Stand von 1:2

Dann kam für mich der Rückschlag: Sascha Lindner wurde beim Stand von 1:2 ausgewechselt. Ich eilte nach unten zur BVB-Bank. Zusammen mit Lindner hoffte ich auf das Happy-End. Und es klappte. Nach dem 2:2 und torloser Verlängerung gewann der BVB doch noch, nach Elfmeterschießen.

Alle jubelten. Emotionen bei der Siegerehrung. Und dann musste aus Castrop-Rauxeler Sicht ja noch das Foto her: Lindner mit dem DM-Pokal. Deshalb nahm ich den Cup kurzerhand BVB-Trainer Edwin Boekamp weg – mit den Worten: „Nur ausgeliehen, ich bringe ihn gleich wieder.“ Ich drückte ihn Lindner in die Hände. Das Motiv wurde noch besser, weil Teamkamerad Tobias Beckmann vorbeikam und meinen Protagonisten in den Arm nahm.

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