15. März 2004: Der Abstiegssog zog den FC Frohlinde in ein Herzschlag-Finale

Am 15. März 2004 schafften die Fußballer des FC Frohlinde im Bezirksliga-Abstiegskampf nach einem 0:2 ein 2:2 gegen den SuS Merklinde. Das Saisonfinale wurde sogar noch dramatischer.

(aus den Ruhr Nachrichten vom 15. März 2019)

Von Jürgen Weiß und Jens Lukas

Momentan stehen die Zeichen beim Fußball-Landesligisten FC Frohlinde auf Aufstieg in die Westfalenliga. Vor 15 Jahren war das anders. Nach einem Herzschlagfinale in der Bezirksliga mussten die Kicker in die Kreisliga A absteigen. Diese Zeitung berichtete damals unter dem Titel: „Ein Tor fehlt – FCF steigt ab“.

Heute vor 15 Jahren, am 15. März 2004, hatte nach dem 2:2 (0:1) im Lokalderby des FCF gegen den SuS Merklinde (4.) in der Zeitung gestanden: „Nicht Fisch, nicht Fleisch“. In dieser Partie hatte die Elf von Trainer Udo Drees nach Treffern von Sebastian Böhme und des Ex-Frohlinders Jesko Hoffmann mit 0:2 zurückgelegen. Stefan Lohrmann und Goalgetter Gregor Michulka sorgten letztlich mit ihren Treffern für das 2:2 in einer durchwachsenen Partie.

Trainer Udo Drees kam aus Herne​

Es wurde zum Saisonausklang im Juni 2004 noch viel schlimmer und dramatischer. Selbst hatte Frohlinde nach einer spektakulären Aufholjagd mit ihrem Coach Udo Drees am abschließenden Spieltag drei Punkte Vorsprung vor dem FC Brünninghausen im Koffer. Drees war im Winter vom Kreisliga-A-Spitzenreiter RSV Holthausen (mit neun Punkten Vorsprung), an die Brandheide gekommen. Der damalige Coach sagte am Mittwoch: „In Herne schüttelten alle mit dem Kopf, dass ich zum Tabellenletzten der Bezirksliga gehe.“ Das hatte sich gelohnt. Die Fans waren guter Dinge und folgten per Reisebus und mit einer riesigen Vereinsfahne am abschließenden Spieltag zum Werner SV nach Bochum. Dort in der Nähe des Ruhrparks sollte die große Nichtabstiegs-Fete beginnen. Das achte Jahr in der Bezirksliga war in Gedanken gebucht.

In der Woche zuvor hatte sich der FCF die gute Ausgangsposition durch einen 2:1-Sieg (Tore Tim Wesolek, Carsten Pilz) im Derby gegen die Spvg Schwerin erkämpft. Erstmals seit acht langen Monaten verließen die Frohlinder durch diesen Erfolg die Abstiegsplätze.

Trügerische Sicherheit​

Die drei Punkte Vorsprung sorgten für eine trügerische Sicherheit. Es sollte das verflixte siebte Jahr werden. Die Rechnung ging nicht auf. Selbst verloren die Frohlinder in Werne mit 0:2 (Drees: „Beim Tabellenzweiten konnte man damit rechnen“) und mussten bangend auf das Ergebnis des VfB Habinghorst (3.) beim FC Brünninghausen warten. Dort dauerte das Spiel sieben Minuten länger. In dieser späten Phase fielen zwei Tore zum 4:0 für die Dortmunder. Frohlinde und Brünninghausen lagen dadurch bei der Tordifferenz (jeweils -26) gleichauf. Bei den erzielten Toren hatte Brünninghausen (45) gegenüber dem FCF (41) die Nase vorn.

Sven Mäder, 2004 Torwart beim VfB Habinghorst. Foto Jens Lukas

Drees hadert noch heute in der Erinnerung mit dem 0:4: „Unverständlich, der VfB hatte damals die beste Abwehr der Liga.“ Das hatte auch der damalige FC-Vorsitzende Peter Blau noch immer vor Augen, der am Mittwoch sagte: „Das war alles kurios.“ Unter Trainer Dieter Beleijew stand übrigens Sven Mäder im Tor, ein ehemaliger Frohlinder. Dieser hat direkt nach Spielschluss eine SMS geschrieben. Vorstandsmitglied Wolfgang Baumann, der damals gleich am Sonntagabend mit Jörg Leineweber in der Redaktion dieser Zeitung ihrem Frust Luft verschafften, erzählte, dass Mäder sich entschuldigt hätte, dass seine Kameraden das Spiel „verbaselt“ haben. Peter Blau hat weitere Verschwörungs-Theorien im Gedächtnis.

So soll dem verstorbenen Sportlichen Leiter, Josef Gosch, der in Nähe der Habinghorster Trainerbank stand, ein Umschlag mit Geldinhalt angeboten worden sein. Blau sagte: „Die dachten, Jupp gehört zum VfB. Übrigens, Baumann hat das auch gesehen.“ Doch schon damals wiegelte VfB-Trainer Dieter Beleijew alle Verdächtigungen ab. Er hatte auch den Schiedsrichter im Visier und sagte damals: „Ich habe noch nie solch eine desolate Vorstellung in der Bezirksliga gesehen.“ Der Referee traf falsche Entscheidungen und hätte eine überharte Gangart der Dortmunder zugelassen.

Beleijew monierte einen fragwürdigen Elfmeter und Abseits-Tore gegen seine Formation, wobei zwei VfB-Tore durch Mohammed Allali und Jörg Teichmann wegen vermeintlichen Abseits nicht gegeben wurden. Michael Bittner (Mittelfußbruch und Bänderriss), Gordon Schwarze (Kreuzbandriss) und Marco Hibbeln (Zehbruch) mussten nach dem Spiel in einem Krankenhaus in Castrop-Rauxel behandelt werden.

Der Abstieg wurde vor Gericht verhandelt

​So einfach wollten die Frohlinder dann den Abstieg nicht hinnehmen. Schon am Abend nach dem Spiel hatten sie gegenüber unserer Zeitung einen Protest angekündigt. Peter Blau sagt aber nun: „So etwas würde ich nie wieder machen. Wir haben in zwei Instanzen, erst in Barop dann in Kaiserau, viel Geld ausgeben müssen und – wurden schlecht behandelt. Unsere Klage wurde abgeschmettert.“ Dennoch fuhren die FCF-Verantwortlichen noch einmal nach Kaiserau.

Blau erzählte weiter: „Wir haben den Antrag gestellt, die Zahl der Mannschaften in der Liga zu erhöhen – und haben auch hier eine Absage erhalten.“ Wolfgang Baumann sagte jetzt noch lachend: „Vielleicht hätten wir Reinhard Rauball als Rechtsanwalt nehmen sollen, der war nicht nur für Borussia Dortmund als Spezialist für Sport-Recht erfolgreich.“

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