29. Januar 2001: Der SV 1923 in seiner vorletzten Bundesliga-Saison

Schach im Oberhaus

CASTROP-RAUXEL. Neun Jahre lang spielte der SV Castrop-Rauxel 1923 in der 1. Schach-Bundesliga. So auch an jenem Heim-Spieltag gegen die SG Solingen und den SC Gelsenkirchen, über den diese Zeitung am 29. Januar vor 15 Jahren berichtete.

(aus den Ruhr Nachrichten vom 29. Januar 2016)

„In Zeitnot Punkt verloren“ – titelte diese Zeitung am Montag, 29. Januar 2001. Das Foto zeigt Ian Rogers, den australischen Neuzugang des SV 23, der ein Remis gegen Solingen verbuchte und gegen Gelsenkirchen verlor. Foto Goldhahn/Repro Laumann

Die Saison 2000/01 gehört bereits zur Schlussphase des SV 1923 in der höchsten deutschen Spielklasse. 1993 waren die Europastädter in die 1. Bundesliga aufgestiegen und hatten in der Spielzeit 1998/99 als Fünfter die beste Platzierung ihrer Vereinsgeschichte erreicht.

Auch nach jenem besagtem Spiel-Wochenende im Januar 2001 standen die Castrop-Rauxeler, die am Ende als Zwölfter knapp den Abstieg vermeiden sollten, noch auf Rang fünf in der Erstliga-Tabelle. Allerdings waren die Gastgeber in der Mensa der Willy-Brandt-Gesamtschule hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben.

Die 2:6-Niederlage gegen den späteren Tabellendritten SG Solingen war erwartet worden. Dass es aber nur zu einem 4:4 gegen den späteren Tabellenletzten und Absteiger SC Gelsenkirchen reichte, sorgte seinerzeit für schlechte Stimmung an der Bahnhofstraße. „Eine Katastrophe“, ist als Kommentar des Castrop-Rauxeler Mannschaftsführers Rudolf Veith in der Berichterstattung überliefert.

Bei den Gelsenkirchenern saß ein Spieler am Brett, der vorher und nachher bei den Castrop-Rauxelern spielte und auch heute noch für den Fusions-Club mit dem SK Sodingen aktiv ist: Ingo Hille musste sich damals Oliver Brendel vom SV 1923 geschlagen geben.

Remis gegen Hübner

Einer der Spieler, der 2001 für den SV 1923 antrat, war Ralf Appel. Für ihn stand am letzten Januar-Wochenende unter anderem eine Partie gegen den wohl bekanntesten deutschen Schachspieler auf dem Programm: Robert Hübner, Nationalspieler und mehrfacher Weltmeisterschafts-Kandidat, gehörte damals zum Erstliga-Kader der SG Solingen.

„Hübner war wirklich ein starker Gegner“, erinnert sich Appel an den Großmeister. „Ich habe gegen ihn aber zumeist gut ausgesehen.“ So auch im Januar vor 15 Jahren, als Appel durch sein Remis gegen Hübner immerhin einen halben Punkt zum 2:6 des SV 1923 beisteuerte.

Der heute 44-jährige Ralf Appel, der in Pirmasens lebt, war einst vom 2010 verstorbenen Rudolf Veith, der auch als Mäzen fungierte, zu Schachverein in die Europastadt gekommen. Bei einem Turnier für junge Schachspieler in Budapest habe man sich Anfang der 1990er Jahre kennengelernt, erinnert sich Appel. „Wir sind jung, wir haben Spaß und wir wollen aufsteigen“, sei die Devise der Castrop-Rauxeler gewesen, „das hat mir gefallen.“

1993 war es dann so weit: Appel und der SV 1923 gingen in der 1. Bundesliga an die Bretter. Bis zum freiwilligen Rückzug aus dem Oberhaus 2002 spielte der Pirmasenser für die Castrop-Rauxeler. „Das war eine sehr schöne Zeit“, lautet sein Fazit. Internationale Großmeister wie Nigel Short (Großbritannien), Paul van der Sterren (Niederlande) und Ian Rogers (Australien), verstärkten das Team. „Diese Spieler haben gut zu uns gepasst“, sagt Appel. „Das waren sehr angenehme Leute, mit denen man sich nicht nur über Schach unterhalten konnte.“

Appel ist mittlerweile selbst Großmeister und gehört 2015/16 zum Bundesliga-Kader der SG Solingen. Zu einigen Spielern aus der Castrop-Rauxeler Bundesliga-Ära habe er aber bis heute noch Kontakt. „Mit Michael Hoffmann und Dirk Hennig treffe ich mich ein Mal im Jahr in Österreich.“

von Jörg Laumann

Und dann war da noch...

CASTROP-RAUXEL. Der 29. Januar war 2001 ein Montag. Auf vier Seiten berichtete diese Zeitung an diesem Tag über das Lokalsportgeschehen.

In der Handball-Landesliga musste der TuS Ickern im Abstiegskampf als Drittletzter trotz der sieben Tore von Dirk Anklam eine 21:22-Niederlage bei der DJK Everswinkel (8.) hinnehmen. Am Ende der Saison konnte der TuS den Abstieg noch vermeiden, in den folgenden beiden Spielzeiten ging es allerdings hinab in die Bezirksliga und danach gar bis in die Kreisliga.

Im Tennis gewannen Ende Januar 2001 Claudia Kardys und Philipp Karwasz vom TuS Ickern die Hallen-Westfalenmeistertitel in ihren Junioren-Altersklassen.

In der Korfball-Verbandsliga, damals die höchste deutsche Spielklasse, verteidigte der KC Grün-Weiß seine Spitzenposition gegenüber Adler Rauxel (2.) durch ein 27:7 gegen den Selmer KV (6.). Beste GW-Werferin an diesem Tag war Gabi Schroll, die den Selmern sieben Mal einen Korb gab.
von Jens Lukas